> ÖGS / Newsletter / Newsletter 13 - Nr. 11/2003
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Der Kongress einschließlich Generalversammlung der ÖGS rückt rasch näher: Vom 23. bis zum 26. November werden in Wien an verschiedenen Orten und unter aktiver Einbeziehung unterschiedlicher Zielgruppen etwa 200 bis 300 in- und ausländische ExpertInnen sozio-ökonomische Aspekte der EU-Erweiterung und ihre Bedeutung für die Sozialwissenschaften beraten.
Hinweise zum Programm: Ergänzungen und Konkretisierungen gegenüber dem kürzlich per Post übermittelten Vorprogramm finden Sie unter den Beilagen (Ueberblick.doc). Dieser Übersicht ist in zeitlicher Abfolge der Programmpunkte auch der jeweilige genaue Veranstaltungsort zu entnehmen. Umfangreichere Detailinformationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie am besten unter www.oegs.ac.at – bitte melden Sie sich zeitgerecht online an, und verwenden Sie das im englischen Text der Kongressinformation enthaltene Formular für Ihre Registration !
Neben wissenschaftlichen Vorträgen und Diskussionen zu Schwerpunktthemen (Arbeit, Migration, soziale Verfassung, Forschungspolitik) sowie zur aktuellen Situation der Soziologie in Österreich finden im Programm Netzwerktreffen, soziologische Exkursionen und ein vielfältiges Programm von sieben Sektionen der ÖGS Platz. Darüber hinaus bietet insbesondere die "Declaration: Social Sciences and Humanities in the ERA" (s. Beilage) einen auch für die Medien interessanten Ansatzpunkt zur öffentlichen Diskussion und Berichterstattung.
Auf Grund der Medienpartnerschaft mit der Wissenschaftsredaktion von Ö1 können durch eine frei zugängliche Veranstaltung im RadioKulturhaus des ORF Informationen aus dem Kongress auch unmittelbar an eine breitere Öffentlichkeit gebracht werden. Die Berichterstattung über den Kongress im Rahmen von zwei Sendungen ("Dimensionen – Die Welt der Wissenschaft" und "Salzburger Nachtstudio") sowie in etlichen Printmedien ist gesichert. In Wien wird das VORmagazin (gratis in allen öffentlichen Verkehrsmitteln) über den Kongress informieren.
Am Ort der internationalen Konferenz bietet die ÖGS ihren Mitgliedern und Instituten die Möglichkeit zur Präsentation von Büchern, Informationsmaterialien und Postern – aber als Wichtigstes: Eine ausgezeichnete Möglichkeit zur internationalen Vernetzung und zu Information aus erster Hand über soziale und wissenschaftliche Entwicklungen in den Beitrittsländern: Es werden etwa 30 Sprecher und Sprecherinnen aus diesen Ländern anwesend sein und aktive Beiträge einbringen. Dabei wurde etwa ein Dutzend young researcher gezielt eingeladen, sodass speziell auch Studierende eine Chance vorfinden, sich über Mobilität und Laufbahnwege differenziert und praktisch zu informieren.
In einem Networking Meeting werden im Kongress nicht zuletzt Ethische Grundsätze sozialwissenschaftlicher Forschung vorgestellt und diskutiert. An diesem EU-Projekt http://www.respectproject.org - ist als österreichischer Partner das Institut FORBA beteiligt. In den Beilagen finden Sie dazu einen Aufruf zur Kommentierung und weiterführende Information.
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Aus Innsbruck hat uns die traurige Nachricht vom Ableben eines unserer Mitglieder erreicht: Professor MOREL ist verstorben; sein Tod zeigt in der Hektik von Vorbereitungen für einen Kongress die Relativität unserer Bemühungen und der damit erzielbaren Erfolge auf. Wie sehr aber Kollege Morel trotz menschlicher Grenzen Bleibendes und Wichtiges geschaffen hat, stellt Max Preglau in seinem Nachruf dar, den ich hiermit sowohl in dieser Message wie auch in den Beilagen zur Kenntnis bringe:
Julius Morel - Lehrer, Kollege und Freund. Ein Nachruf
Julius Morel, emeritierter Universitätsprofessor am Institut für Soziologie, wurde am 17. Dezember 1927 in Budapest geboren. Er studierte Philosophie in Belgien, Theologie in Belgien und Frankreich und Soziologie in Wien. Er war trat 1947 in den Jesuitenorden ein und war auch geweihter katholischer Priester, übte das Priesteramt jedoch nie aus. Stattdessen entschloss er sich, die Wissenschaft, die ihn faszinierte, die Soziologie, zu seinem Beruf zu machen. 1962 gründete er das Ungarische Kirchensoziologische Institut (UKI) in München und nahm schließlich die Chance einer Universitätslaufbahn wahr.
Die wichtigsten Stationen seiner Karriere: Seit 1967 hat Julius Morel in Innsbruck gelehrt, seine Berufung zum Ordinarius erfolgte 1969 – damals noch an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät. Er war Gründungsmitglied des 1971 an der neuen SOWI-Fakultät errichteten Instituts für Soziologie und bis 1991 dessen Vorstand. 1977 – 1979 wirkte er als Dekan der SOWI-Fakultät. Dass in dieser Zeit das Institut eine Erweiterung seines Wirkungsbereich in der Lehre und eine Zunahme des Outputs in der Forschung erlebte und entsprechend expandierte, ist nicht zuletzt seiner Initiative und seinem Einsatz zu danken. 1996 erfolgte seine Emeritierung, er blieb aber bis zuletzt ein regelmäßiger und gern gesehener Arbeitsbesucher des Instituts.
Als Wissenschafter hat er sich – über die Grenzen Österreichs hinaus – als Vertreter einer eigenständigen, von anderen Disziplinen durch eine spezifische analytische Perspektive unterschiedenen Soziologie, als Autor von Lehrbüchern im Bereich der allgemeinen Soziologie, aber auch als Religions- und Kirchensoziologe einen Namen gemacht.
Den Studierenden war Julius Morel ein begeisternder, zugleich präziser und humorvoller Vortragender und ein stets freundlicher und leicht zugänglicher Lehrer. Seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern war er ein Vorgesetzter, der es verstand, die Aufgabe der Leitung mit den Tugenden der Kollegialität und der menschlichen Wärme zu verbinden, universitäre Demokratie weit über den Buchstaben des Gesetzes hinaus zu praktizieren und andere wissenschaftliche Auffassungen nicht nur zu tolerieren, sondern als wertvolle Bereicherung zu betrachten und zu fördern. Die Fakultät hat ihn als stets souveränen und besonnenen, klugen und hilfsbereiten, ausgleichenden und nie das Gemeinsame aus den Augen verlierenden Kollegen kennen und schätzen gelernt.
Auch nach seiner Emeritierung widmete sich Julius Morel weiter der Wissenschaft und vor allem der Etablierung der Soziologie auf internationalem Niveau an Universitäten Ungarns nach der Wende. Seine letzte Kraft investierte er in die Vollendung eines Buches, das ein leidenschaftliches Plädoyer für eine Reform der Katholischen Kirche enthält. Das Buch ist seit Ende September auf dem Markt.
Julius Morel ist am 30. September 2003 gestorben. Wir trauern um einen beeindruckenden Wissenschaftler, um einen vorbildlichen Kollegen - und um einen verlässlichen Freund.
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Mit freundlichen Grüßen und in Erwartung, möglichst viele Mitglieder bei unserem Kongress begrüßen zu dürfen,
Josef Hochgerner